#1

Ein halbes Hakenkreuz?

in Kommandantur der Luftwaffe (1936 - 1945) 05.11.2010 09:45
von Pirolataler • 544 Beiträge

Moin, Moin!!

Dieser Hut mag sicherlich alt sein und einen entsprechend langen Bart haben, aber ich finde die Diskussion darüber, die unlängst - Danke an Wilhelm und an Herrn Tongers!! - in meinem Gästebuch aufblitzte, sehr interessant und eben darum diskussionswert.

Hier meine Meinung zum Thema, bereits zuvor in Karstens Forum geäußert:

Uns Internatsneulingen wurde damals als eine der ersten Geschichten zum zweifach rechtwinklig gebauten Gebäude erzählt, daß es zu Zeiten der Nazis als Hakenkreuz geplant war, aber (irgendwie und irgendwarum) nicht mehr 'vollendet' worden ist bzw. werden konnte. An sich eine spannende Story ... viel spannender als das, was man schlicht und unergreifend vor sich sah. Damals glaubten wir - glaubte zumindest ich - die Legende, allerdings nicht ohne gewisse Zweifel und entsprechende Stirnrunzeln. ... Selbst als vermeintlich halbes Hakenkreuz war der Gebäudekomplex ganz offensichtlich unproportioniert. Wir beließen es unreflektiert bei der Legende.

Heutzutage und nach nur ein ganz klein wenig Reflektion glaube ich die Hakenkreuz-Story keinen Deut mehr, so haltlos, wie sie trotz allem ist. Die potentielle und sicher überaus willkommene Zielscheibenfunktion für alliierte Luftangriffe wurde ja bereits wiederholt angemerkt; aber selbst, wenn ich sie außer Acht ließe: Das Kommandantur-Gebäude (Wie hieß es eigentlich damals im offiziellen Sprachgebrauch konkret ... man spricht heutzutage ja auch alternativ vom "Stabsgebäude") wurde meines Wissens 1936 errichtet. Weshalb hätte man es nicht vollenden können, drei Jahre vor Beginn des Krieges, gehörte es doch zum Herzstück der ganzen Fliegerhorst-Initiative?! Geld-, Material- und / oder Arbeitskräftemangel hielte ich für sehr, sehr unwahrscheinlich zu der Zeit.

Aus meiner Sicht wurde das Gebäude schlicht aus praktischen Gründen so gebaut, wie es sich präsentierte (es war ja auch rundum 'am Stück' fertiggebaut), wobei es sich natürlich leicht und gern zum entsprechenden Symbol 'weiterdenken' ließ und läßt. Diese Art Wunschdenken wird die Legende sicher seit jeher im Alleingang beflügelt haben.

Ich hoffe, das waren nicht zuviele Worte um nichts.

Het beste,

Pirolataler


zuletzt bearbeitet 05.11.2010 20:35 | nach oben springen

#2

RE: Ein halbes Hakenkreuz?

in Kommandantur der Luftwaffe (1936 - 1945) 31.03.2011 03:00
von KKKIEL • 71 Beiträge

Moin Lüd,
zum einen, wie schon erwähnt, ein Hakenkreuz als Zielscheibe, auch noch aus 30000ft. Höhe gut erkennbar, direkt am Fliegerhorst, das hat man sich bis 1945 in ganz Deutschland nicht gegönnt. Aber ein Scheinflugplatz wäre dann überflüssig gewesen. Außerdem wurden solche Verwaltungsgebäude als `Normbauten` geplant und errichtet, und nur im Einzelfall den örtlichen Gegebenheiten angepaßt. Alle Planungen für die Luftwaffe mußten durch das " RLM" geprüft und genehmigt werden. Das Gebäude eines Typs sah in Frankreich genauso aus wie eines in Norwegen. Wenn man lange genug die Bilder bei "Evidence in Camera" durchsucht findet man mehrere Flugfelder wo Gebäude mit dem Grundriß des Internat identisch sind.
Nebenbei bemerkt, wenn ich mit den Normbauten richtig liege, was ich glaube, dann hatte der Ostflügel die gleichen baulichen Ausmaße wie der Westflügel des Internats. Hier auf dem Bild oben (Krankenstation EG) zähle ich 9 Doppelfenster, 1 Einzelfenster und den separaten Eingang (1964/65 Wiedels Wohnung). Wenn ich die Oberstufe EG 85 spiegelverkehrt über die Krankenstation lege, Eingang mit Treppe zur Friesenstr. und Waschräume zur Hofseite direkt vor Wiedels Wohnung dann kommt das meinem Bild von 1964 sehr, sehr nahe. Auch Waschräume, Duschen und WC waren genauso eingerichtet wie in Oberstufe EG 85 auf dem Grundriß gezeigt, ich habe sie oft genug sauber gemacht. Nur die Zimmer hatten 1964 alle die gleiche Größe. Der Grundriß Krankenstation zeigt aber nur 7 Doppelfenster im EG, folglich fehlen der Eingangsbereich/Treppe, ein Teil von der Wohnung und 2 ? Zimmer auf jeder Seite. Das sollte man noch mal beäugen.
das wars aus Kiel


zuletzt bearbeitet 31.03.2011 03:06 | nach oben springen

#3

RE: Ein halbes Hakenkreuz?

in Kommandantur der Luftwaffe (1936 - 1945) 31.03.2011 16:10
von KKKIEL • 71 Beiträge

Haaalt! Noch mal zurück, weil das Bild oben den Ostflügel von Südosten zeigt.
Ich muß noch weitere Bilder "beäugen".

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#4

RE: Ein halbes Hakenkreuz?

in Kommandantur der Luftwaffe (1936 - 1945) 31.03.2011 19:29
von Pirolataler • 544 Beiträge

Dat is juist. ... Also, nicht die Insel, sondern "richtig" ; Westflügel EG 7 Doppelfenster, Ostflügel EG 10 (von Westen gesehen). Sehr interessant als neues Puzzleteilchen meiner Wahrnehmung, daß die Wiedels Mitte der 60er im Internatsgebäude ansässig waren. Ich nehme an, sie wohnten im OG des Ostflügel-Kopfendes (?!), dort, wo 1970 bis 88 Familie Noltus residierte. Bitte um Korrektur, falls ich da falsch liege .

Mein größtes Fragezeichen zum Thema bleibt eigentlich nur dieses, warum nicht konsequent symmetrisch gebaut wurde und ein Flügel kürzer ausfiel als der andere.

Bis neulich,

Pirolataler


"Das Paradies pflegt sich erst dann als Paradies zu erkennen zu geben, wenn wir daraus vertrieben wurden." (Hermann Hesse)

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#5

RE: Ein halbes Hakenkreuz?

in Kommandantur der Luftwaffe (1936 - 1945) 07.11.2011 23:29
von Pirolataler • 544 Beiträge

Nur als nachträgliche Klarstellung der Ordnung halber: Familie Wiedel wohnte in der Erdgeschoß-Wohnung am Kopfende des Westflügels ... also entgegengesetztest wo geht.

Piro


"Das Paradies pflegt sich erst dann als Paradies zu erkennen zu geben, wenn wir daraus vertrieben wurden." (Hermann Hesse)

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#6

RE: Ein halbes Hakenkreuz?

in Kommandantur der Luftwaffe (1936 - 1945) 21.05.2012 03:57
von KKKIEL • 71 Beiträge

Moin al tosom,

ich bin schon mächtig froh, daß ich nicht ganz blöd sterben muß. Da hat man annähernd 2 Jahre in dem Gemäuer gehaust und es war kein Thema, ob der eine Gebäudeflügel größer oder kleiner, länger oder kürzer als der andere war. Das läßt auch Rückschlüsse zu, wie intensiv damals die Diskussion über ein "halbes Hakenkreuz" war, denn hätte man sich mit dieser Legende beschäftigt, wäre man irgendwann über das fehlende Stück gestolpert. Außerdem war der Ostflügel und Teile des Mittelbaus, also das Altersheim, "Off Limits!" und somit auch nicht Teil unserer Internatswelt. Nur der Dachboden wurde von uns vor den Ferien auch in den genannten Bereichen genutzt, wenn wir dort unsere persönlichen Habseligkeiten verstauten, weil das Internatsgebäude für die Ferienzeit anderweitig verwendet bzw. vermietet wurde. Ich kann auch keine Erklärung finden, warum im Fall von Langeoog von der üblichen Architektur abgewichen wurde, wobei ich allerdings örtliche Bauvorschriften ausschließe. Bleiben als Gründe eigentlich nur Bodenbeschaffenheit und Bedarfs.-/ Nutzungsplan, wo in der Zeit ab 1935 dieser Typ von Gebäuden zur Unterbringung von Personal konzipiert war (also als Kaserne). Die Baupläne und Grundrisse, sowie einige weitere Unterlagen sollen einer Quelle zufolge im Militärarchiv Freiburg lagern. Vielleicht würde man dort eine Aufklärung finden? Als weitere Erkenntnisse sei noch angeführt, daß der Platz Langeoog scheinbar nicht fertiggestellt wurde und somit auch nicht offiziell an die Luftwaffe übergeben wurde. Bei dem Umfang der Planung für dieses Vorhabens fehlen z.B. Gebäude wie Flugleitung, Offizierskasino (ein Muß), Flugzeughallen etc.. Außerdem wurde schon im Jahr 1940 die Flugplatzkompanie der Luftwaffe von Langeoog abgezogen (Quelle: de Wadden,NL). Langeoog wird in allen Unterlagen des RML nicht mal als Ensatzhafen geführt, was dann eine vollständige Tarnung zur Folge gehabt hätte, so aber eher auf eine Einstellung des Weiterbaus hindeutet. Auch der Kaufpreis für den Landkauf zum Bau des Hafens Bensersiel ist von der Reichsregierung nicht mehr beglichen worden, was nach 1945 einen längeren Rechtsstreit auslöste.
Angefügt ein Ausschnitt des Flugfeldes Halberstadt, wo sich der Architekt in üblicher Form und sehr künstlerisch nach allen Regeln ausgetobt hat. Man war variabel im vorgegebenen Rahmen.
Das andere Foto stammt von der britischen Luftaufklärung vom 26.04.1944 über Weser/Ems (Quelle: NCAP) die restlichen Bilder dieses Streams von Langeoog sind in meinem Album. Vielleicht findet jemand den Scheinflugplatz.


RL 6/44
Druckansicht Neubauplanung des RML

Flugplatzbau an der Nord- und Ostseeküste
Enthält:
Borkum-Reede, Norderney, Langeoog, Wilhelmshaven, Bremerhaven, Tönning, Hörnum, Rantum u. List auf Sylt, Holtenau, Schleswig-Freiheit, Lübeck, Travemünde-Pötenitz, Tarbewitz, Pillau Rerik-Kühlungsborn, Wustrow, Warnemünde, Parow, Bug auf Rügen, Dievenow, Kamp, Stettin (Lagepläne)
1937-1940



Gruß aus Kiel

Angefügte Bilder:
102509861.jpg
6412108925_b01b44b38e_o(1).jpg

zuletzt bearbeitet 21.05.2012 04:06 | nach oben springen

#7

Bingo?

in Kommandantur der Luftwaffe (1936 - 1945) 14.11.2013 05:07
von Pirolataler • 544 Beiträge

Zum Bild des Platzes in Halberstadt: Also, wenn ich mir die beiden zueinander symmetrischen Zickzack-Gebäude in der unteren Bildmitte, welche der ehemaligen Langeooger Kommandantur verblüffend ähneln, im Zusammenhang der Gesamtanlage so anschaue, dann könnte ich eine - vielleicht naive - Erklärung für das bauliche Erscheinungsbild unseres Internatsgebäudes auch in ihrer rätselhaften Unproportionalität der Flügellängen erwägen:

Daß der Langeooger Fliegerhorst nie fertiggestellt wurde, ist weithin bekannt; was alles noch hätte kommen sollen, weiß man hingegen allgemein nicht. ... Wäre es nun nicht möglich, daß man dort einen ähnlichen Komplex zu errichten beabsichtigte, den eben jener Standort Halberstadt im Senkrecht-Luftbild präsentiert: Einen von entsprechenden Funktionsgebäuden eingerahmten Hauptplatz mit zwei zueinander achsensymmetrischen Gebäuden, die zusammen quasi ein Tor zu jenem Hauptplatz bilden? - Das Langeooger Kommandanturgebäude mag lediglich ein Baustein des angedachten Ganzen gewesen sein und sein Gegenstück sowie der Rest sind in Wahrheit die Teile, die nicht fertiggestellt werden konnten?! So wäre auch die ohne erkennbare Not so geschaffene, zweifach rechtwinklige Form mit einem kürzeren Flügel 'verständlich', der eventuell einer Art 'Gesamtwerkästhetik' geschuldet etwas kürzer ausfiel.

Alles Spinnkram, ... oder was??

Pirolataler


zuletzt bearbeitet 14.11.2013 05:24 | nach oben springen


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