#1

Das "Baltenheim" (1946 - 1978)

in Altersheim für Baltendeutsche (1946 - 1968) 26.03.2011 11:57
von Pirolataler • 543 Beiträge

Moin, Moin!

Aufgrund und anhand der Entdeckungen und Erkenntnisse, die KKKIEL uns aus dem Internetz gefischt hat (http://www.hilfsverein.de/0311_geschichte.html), möchte ich diesen Stein nun weiter zum Rollen bringen.

Hier dazu zunächst die aus KKKIELs Beitrag (siehe bei "Netzfundstücke") extrahierte Passage zum Thema:

Zitat
[...] als Anhang zum Baltenheim: März 1945 kamen ca. 380 Baltendeutsche, vertrieben aus den Protektoratsgebieten durch den Vormarsch der Roten Armee, auf Langeoog an. In diesem Fall überwiegend Bewohner des Altenheims in Schwetz (Westpreußen). Von 1945 bis 1947 Unterbringung der Flüchtlinge in Notunterkünften. Dann 1947 Gründung des " Evangelischen Hilfsverein e.V." durch Pastor Robert Walter. Daraufhin zuerst die Anmietung des ehem. Stabsgebäudes durch den Verein, zu einem späteren Zeitpunkt der Kauf desselben. Als Gründungsjahr des Baltenheims wird 1946 genannt und Schließungsdatum 1978. Quelle und Geschichte: hilfsverein.de
Zu meiner Zeit 1964/65 war noch der Gebäudeteil, der später `Oberstufe I/II` war, und zusätzlich 3 oder 4 Zimmer in der `Hanse` vom Baltenheim belegt. Die Verstorbenen sind auf dem Dünenfriedhof beigesetzt.



Jetzt ich: Es mutet ein klein wenig befremdlich an, daß das - übrigens in mehreren Gebäuden zusammengefaßte "Baltenheim" - bereits 1946 gegründet wird, der Hilfsverein allerdings erst im Dezember '47. ... Nun gut, dazu kenne ich die historischen Zusammenhänge halt nicht. Jedenfalls zog im Jahre 1946 konkret die Familie des Küchenleiters in die Wohnung am Ende des Ostflügels ein, wie ich von der Tochter erfuhr.
- Die gemeinnützige Institution des "Baltenheims" auf Langeoog existierte von 1946 bis 1978, wobei noch offen ist, wann genau die letzten zugehörigen Bewohner aus dem inzwischen hauptsächlich vom Realschulverein Langeoog genutzten Gebäude auszogen. Ob der Realschulverein das Gebäude kaufte oder ob es weiterhin im Besitz des Hilfsvereins verblieb, ist ebenfalls noch klärungsoffen.

Im Anhang mal ein bei ... äh ... auf eBay entdecktes Bild einer Ansichtskarte, die ein weiteres Gebäude des "Baltenheims" zeigt. Dieses Gebäude ist auch auf der Seite des Hilfsvereins wiederzuerkennen. Wer weiß, um welches Gebäude es sich handelt? Ich meine, es zu kennen und lokalisiere es einmal spontan Um Süd oder jedenfalls in der unmittelbaren Nachbarschaft.

Een prettige weekend allemal wenst

Pirolataler

Angefügte Bilder:
Baltenheim.jpg

"Das Paradies pflegt sich erst dann als Paradies zu erkennen zu geben, wenn wir daraus vertrieben wurden." (Hermann Hesse)

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#2

RE: Das "Baltenheim" (1946 - 1978)

in Altersheim für Baltendeutsche (1946 - 1968) 15.04.2011 03:02
von KKKIEL • 71 Beiträge

Moin,
jetzt noch mal ein weiterer Klärungsversuch, wobei ich mir bei dem Thema "Baltenheim" schon vorkomme wie auf der Suche nach dem heiligen Gral. Ausgangspunkt der Suche war die Seite des Hilfsvereins, dann eine über einen Bekannten durchgeführte Archivsuche bei der "Deutsch-Baltische Gesellschaft" Darmstadt und der "Carl-Schirren-Geselllschaft" Kiel/Lüneburg, was o.g. Beitrag zur Folge hatte. Allerdings konnte weder der Begriff "Baltenheim" als offizielle Bezeichnung noch eine Adresse in Verbindung mit dem "Ev.Hilfsverein" bestätigt werden, wurde aber als mögliche mundartliche Bezeichnung eingeordnet. Offiziell, auch in Verbindung mit dem "Schweizerisch-Baltisches Hilfskomitee", wird das "Baltische Altenheim" genannt. Inzwischen sind mir für diese Örtlichkeit 3 Benennungen vertraut: Balt.Altenheim, Balt.Altersheim und Balt. Altenstift.
Wegen erheblicher Zweifel bezüglich der Rechtslage 1945/48 der durch die Wehrmacht genutzte Immobilien betreffend und Artikel über den problematischen. baulichen Zustand des Gebäudes sowie ein Artikel in der Langeoog News** haben mich angestiftet Herrn von Buxhoeveden in einer längeren e-mail direkt zu fragen.

**Langeoog News:vom 02.10.2008
Baltenheimschließung vor 30 Jahren
02.10.2008: 30 Jahre nach der Schließung des Baltenheims auf Langeoog und dem Umzug der Bewohner ins Brigittenstift in Barsinghausen war gestern eine Gruppe Mitarbeiter dieses und anderer Häuser des ev. Hilfsvereins um Geschäftsführerin Monika Reichmann und dem ehemaligen Heimleiter Donald v. Buxhoeveden zu Besuch auf der Insel.

Meine Fragen an Herrn von Buxhoeveden.
1. gibt es zu dem vom Hilfsverein auf Langeoog geführten Baltenheim noch eine
Anschrift (Straße u. Hausnummer für eine mögliche Standortbestimmung auf der
Insel)
2. bestand das 1946 gegründete Baltenheim aus einem oder mehreren Häusern (weil
die Gesamtzahl der 1945 nach Langeoog evakuierten Personen in den Angaben
sehr stark differiert: 300 - 520)
3. wurde vom Hilfsverein das o.b. Kommandanturgeb.in der Zeit 1946-1978 für die
Unterbringung älterer Menschen genutzt
4. wenn ja, wann wurde die Nutzung des Gebäudes beendet
5. Frage des Moderators: warum wurde 1946 zuerst das Baltenheim und 1947 der
Trägerverein gegründet und nicht umgekehrt
6. ist das abgebildete Gebäude auf der AK identisch mit dem Baltenheim des
Hilfsvereins

Antwort von Anfang April 2011
zurückkommend auf Ihre E-mail kann ich iHnen jetzt einige Infos geben:

Das frühere Internat, war teilweise Kreisaltersheim, hatte aber mit dem
Hilfsverein in Hannover nichts zu tun. Obwohl sehr viele Balten aufgrund der
Flucht von Schwetz/Polen nach Langeoog gelangten und dort unterkamen, wurde der
Hilfsverein erst danach gegründet (3.12.1947) mit Sitz in Hannover -auch damals schon- Jetzt in der Strraße "Van Gogh Weg 10" Tel. 051169 50 61.Auf der Insel gab es keinen Hilfsverein.
Das Baltenheim - wie es auf der Postkarte zu sehen ist- gehörte früher Pastor
Tongers, Langeoog. Es gibt einen Nachkommen und der Heißt ***, wohnhaft auf der Insel.(*** ersetzt durch "Heimatverein Langeoog")
Das Baltenheim wurde aufgrund der vielen Balten "Baltenheim" genannt. Der Baltenheim und der Hilsfverein wurden gegründet von Pastor Robert Walter.

Ich darf an dieser Stelle Herrn von Buxhoeveden ganz herzlich für seine freundliche und schnelle Hilfe danken.

http://www.herder-institut.de/startseite...ember-2009.html
http://www.deutsch-balten.de/index.php?id=der_beginn#c86
https://picasaweb.google.com/11012574477...CJDZ4faKrvejwQE#
Bilder vom " Baltenheim" und "Um Süd" im Album.

Antworten??
Gruß aus Kiel


zuletzt bearbeitet 15.04.2011 03:18 | nach oben springen

#3

RE: Das "Baltenheim" (1946 - 1978)

in Altersheim für Baltendeutsche (1946 - 1968) 19.04.2011 23:29
von Pirolataler • 543 Beiträge

Zunächst einmal meine große Anerkennung zur o.g. Zutageförderung und Erkenntnismöglichkeit! ... Toll, daß dieses allgemein doch sehr unbeachtete Thema mit jedem Beitrag ein Stück mehr an Substanz und Gestalt gewinnt.

Pirolataler


"Das Paradies pflegt sich erst dann als Paradies zu erkennen zu geben, wenn wir daraus vertrieben wurden." (Hermann Hesse)

zuletzt bearbeitet 19.04.2011 23:29 | nach oben springen

#4

RE: Das "Baltenheim" (1946 - 1978)

in Altersheim für Baltendeutsche (1946 - 1968) 10.08.2011 01:42
von Pirolataler • 543 Beiträge

Ahoi!

Die "Festschrift zur Einweihung des neuen Schulgebäudes" (1968) gibt in ihrem Kapitel "Vom Werden unserer Schule" zwei internatshistorisch bedeutsame Daten zum Thema preis:

1958 gelingt es dem Schulverein des "Nordsee-Gymnasiums", einen Teil des ehemaligen Kommandanturgebäudes für die Unterbringung der Jungen vom Bund zu erhalten. Der Westflügel wird der Schule sofort übergeben und ist somit der älteste Internatstrakt.

Im September 1968 übernimmt das NG mit der Auflösung des dort untergebrachten Altersheims schließlich auch den Ostflügel.

Damit dauerte die Doppelnutzungsphase des Gebäudes als Altersheim und Internat immerhin ganze zehn Jahre.

Bis die Tage,

Pirolataler


"Das Paradies pflegt sich erst dann als Paradies zu erkennen zu geben, wenn wir daraus vertrieben wurden." (Hermann Hesse)

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#5

RE: Das "Baltenheim" (1946 - 1978)

in Altersheim für Baltendeutsche (1946 - 1968) 26.09.2011 02:03
von KKKIEL • 71 Beiträge

Moin alltohoop,

das sammeln historischer Fakten ist mühsam, auch wenn wir hier "nur" über einen Zeitraum vom rund 65 Jahren reden. Im Verlauf der Recherche (seit meinem Beitrag vom 15.04. d.J.) hat es 6 ergebnislose Anfragen gegeben, was möglicherweise auch an dem Thema liegen könnte. Dann hat sich, auf Grund einer früheren Anfrage, eine weitere Möglichkeit ergeben.
Herr Lars Girgensohn ist " Erkorener Ältester am Wort" der Bruderschaft der Schwarzenhäupter aus Reval e.V. und hat lange Zeit auf Langeoog gelebt. Ich habe ihm die gleichen Fragen gestellt, wie auch schon Herrn von Buxhoeveden.
Ich darf Herrn Girgensohn an dieser Stelle für seine Ausführungen und seine Hilfe ganz herzlich danken.
Hier nun sein Kenntnisstand zum "Baltenheim":(pers. Daten wurden entfernt)

Eine ganz genaue Beantwortung Ihrer Fragen kann ich Ihnen erst Mitte Oktober geben, denn es gibt in unserer Bibliothek in Langeoog ein Buch über die Geschichte des Baltenheims auf der Insel. Ich werde ab 6.10. auf der Insel sein und einiges nachlesen.
Aus meinen Kenntnissen kann ich Ihnen nachstehendes berichten:
Das Heim in Schwetz wurde kurz vor dem Einmarsch der Russen evakuiert, auf der Flucht sind viele Insasse an Hunger und Kälte gestorben. Wieviele Insassen im April 1945 auf die Insel gekommen sind, weiß ich nicht. Die alten Menschen wurden im Haus Poggfred, Am Hospizplatz, der Fliegerhorstkaserne und in einigen Privathäusern untergebracht. Die Betreuung erfolgte durch baltische Schwestern, die den Transport von Schwetz nach Langeoog begleitet hatten. Da die Familie Dreesen (Eigentümerin von Haus Poggfred) das Haus wieder als Fremdenpension führen wollte, wurde Anfang der 50iger Jahre ein größeres Haus "Um Süd" von der Erbengemeinschaft Tongers zunächst vom Ev.Hilfsverein angemietet und später gekauft. Die Unterbringung der Insassen war jetzt auf die beiden Häuser "Um Süd" und "Fliegerhorstkaserne" konzentriert. Soweit ich mich erinnere, waren aber noch 2-3- Zimmer im Hause des Pastor Tongers angemietet, wo auch meine Großmutter lebte. Das Haus "Um Süd" bekam dann offiziell den Namen "Baltenheim" und die Fliegerhorstkaserne lief unter dem Namen "Kreisaltersheim". Ende der 60iger Jahre wurde das Baltenheim in Langeoog geschlossen und verkauft und die Insassen sowohl aus dem Baltenheim als auch die noch im Kreisaltersheim lebenden Balten wurden nach Barsinghausen in das dort vom Ev. Hilfsverein betriebene Altersheim gebracht.
Die genauen Daten über die aus Schwetz umgesiedelten Balten wie auch die Jahreszahlen der Umzüge auf Langeoog muss ich Ihnen nachliefern.
Ich hoffe, dass Sie mit meinen Angaben etwas anfangen können.
Mit freundlichen Grüßen
Lars Girgensohn

das war`s mal wieder mit "Baltenheim"


zuletzt bearbeitet 26.09.2011 02:21 | nach oben springen


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